Geschichte (nur mal ganz kurz)

Im Jahre 868 gründete der dritte Bischof von Paderborn, Luithard, in Heerse am Netheborn, 20 km südöstlich von Paderborn, ein "Hochadeliges Kaiserliches freiweltliches Damenstift". Das Stift sollte die Christianisierung der Sachsen fördern und den Töchtern der adeligen Häusern eine Lebensaufgabe bieten. Die Auffassung, Stift sei ein anderer Name für Kloster, ist irrig. Obwohl man in einem Stift zunächst noch einen gemeinsamen Speisesaal und Schlafsaal kannte, lebte man schon vom 13./14. Jahrhundert an in Einzelhäusern. Nur in der Kirche trug man ein weißes Kleid, einen rötlichen pelzverbrämten Mantel und ein golddurchwirktes Kopftuch. Im Jahre 887 wurden die Gebeine der heiligen Märtyrer-Jungfrau Saturnina von Sains-les-Marquion in der Diözese Arras nach Heerse gebracht. Saturnina wurde bald Patronin der Stiftskirche, die vorher der heiligen Jungfrau Maria geweiht war. Da sich die Stiftsdamen noch um viele andere, sehr alte Reliquien bemühten, besitzt die Stiftskirche heute einen der ältesten und wertvollsten Reliquienschätze Deutschlands. Die Gebeine dieser Heiligen waren in Seidenstücke gehüllt, deren ältestes aus dem 6. Jahrhundert stammt. Im Schrein der heiligen Saturnina befand sich ein Wachssiegelabdruck des Gründerbischofs Luithard, weshalb sich die Stiftskirche rühmen darf, den ältesten Bischofssiegelabdruck Deutschlands zu  besitzen. Welche Bedeutung das Stift im Laufe der Zeit erlangte, geht daraus hervor, daß das Fest seiner Patronin Saturnina, der 20. Mai, im ganzen Hochstift Paderborn als gebotener Feiertag begangen wurde.

Viele Jahrhunderte hindurch wurde das Stift ausnahmslos nur Heerse genannt, während die umliegende Ortschaft schon bald die Bezeichnung Neuenheerse erhielt, im Gegensatz zu Altenheerse. Nur ganz selten wird in späteren Jahrhunderten auch das Stift Neuenheerse genannt. Durch den Reichsdeputations-Hauptbeschluß vom 23. Februar 1803 kam das Hochstift Paderborn unter die Herrschaft Preußens. Das Stift Heerse wurde nicht aufgelöst, sondern durch Verordnung des Königs vom 03.12.1803 in eine Versorgungsanstalt für bedürftige adelige weibliche Personen umgewandelt. Durch ein Dekret des Königs Jerome von Westfalen vom 01.12.1810 wurde das Stift ganz aufgehoben und seine Güter wurden verkauft. Die Stiftskirche, im Volksmund auch Eggedom genannt, blieb Pfarrkirche. Vielleicht bestand schon bei der Stiftsgründung 868 in Heerse eine kleine Kirche. Sichere Nachrichten sind uns nicht überliefert. Einen Hinweis kann uns das Necrologium Hersiense geben, ein aus 67 Pergamentblättern bestehendes Heiligen- und Totenverzeichnis, das in der Mitte des 14. Jahrhunderts verfaßt  wurde, aber auf ältere Vorlagen zurückgeht und Zusätze bis tief in das 18. Jahrhundert aufweist.

Oft werden Stiftsdamen und Äbtissinen mit Ordensschwestern gleichgestellt, doch hier gibt es wesentliche unterscheidende Merkmale. Einige davon waren, daß sie kein Gelübde ablegen mußten, Fleischgenuß gestattet war, sie durften Privatvermögen besitzen und auch eine eigene Wohnung  sowie eigene Dienerschaft haben. Ihnen stand auch jährlicher Urlaub und Kleidung zu. Außerdem durften sie jederzeit aus dem Stift austreten und heiraten. Sie mußten jedoch aus adeligem Hause stammen. In den ersten Jahrhunderten des Stiftes waren nur Töchter aus fürstlichen oder gräflichen Familien als Stiftsdamen zugelassen.

Leider ist es nicht möglich, eine lückenlose Reihe der Äbtissinen mit Namen und Regierungsdauer von der Gründung des Stiftes bis zur Aufhebung aufzustellen. Erst ab dem 15. Jahrhundert gab es ein lückenloses Register. Die erste Äbtissin war Walburga, die Schwester des Bischofs Luithard von Paderborn. Das Jahr ihres Todes ist nicht bekannt. Ihr Grab befindet sich in der Lamberti-Kapelle in der Kirche zu Neuenheerse.

Wenn eine Äbtissin in den späteren Jahrhunderten eingeführt wurde, nahm sie in der Kapelle in einem Sessel Platz, der auf das Grab der Stifterin Walburga gesetzt war. Darauf wurde sie mit dem Äbtissinenmantel bekleidet. Eine Sage erzählt, daß eine dieser Äbtissinen an Tollwut gestorben sei. Sie kam von der Arbeit und wollte über Freiplatz und kleinem Kirchhof zu ihrer Behausung. Im Tor der Abtei sprang ihr ein toller Hund entgegen, schnappte nach ihrem Kleide, faßte die Seide mit den Zähnen und riß ein Loch hinein. Zu Hause zog sie das Gewand aus und hängte es in einen Schrank. Nach Jahr und Tag kam sie wieder kam sie wieder darüber und nahm es heraus, um den Schaden auszubessern. Als das geschehen war, biß sie den Faden ab. War es, daß sie eine Wunde am Mund oder aufgesprungene Lippen hatte, nach sieben Wochen und Monaten wurde sie tollwütig und mußte in ihrem Zimmer eingeschlossen und bewacht werden. Schließlich, als dies nicht mehr möglich war, veranlaßte man die Unglückliche, die die Menschen in ihrer Umgebung beißen wollte, ihren Arm durch die Tür oder eine Gitteröffnung zu strecken. Ein Arzt oder Barbier stach mit einer Lanzette hinein und ließ die Unglückliche verbluten. Das soll sich ereignet haben in der Alten Dechanei. Dieses Haus steht direkt neben dem Damensattel und beheimatet heute die Räume des Verkehrsvereins  Neuenheerse. Der Damensattel ist ein aus Stein gehauener Sattel, der nur in Neuenheerse vorkommen dürfte. Bei der Einführung setzte der Stifts-Erbmarshall aus der Familie von Haxthausen die neue Äbtissin, die vom Unterdorf her angeritten kam, auf diesen Stein und so nahm die neue Herrin Besitz von ihrem Stift.
Die letzte Äbtissin des Stiftes war Maria Caroline von Dalwick. Ihre Amtszeit dauerte bis
zum 01.12.1810. An diesem Tag wurde das Stift Heerse durch ein Dekret des Bruder Napoleons, Jerome, dem nach der Schlacht von Jena und Auerstedt das Königreich Westfalen unterstand, das Todesurteil gesprochen. Im Herbst 1812 zog die Äbtissin nach Paderborn und nahm Wohnung im Westfälischem Haus. Sie starb dort am 08.04.1822 im Alter von fast 85 Jahren. Sie wurde auf dem Westfriedhof von Paderborn begraben.

Weiteres über die Geschichte von Neuenheerse steht im "Neuenheersebuch".

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